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Was ist Schadensersatz aus Vertrag?

Schadensersatz aus Vertrag ist der Geldausgleich für Schäden, die durch eine Vertragspflicht-Verletzung entstanden sind. Anspruchsgrundlage ist § 280 Abs. 1 BGB. Ziel: Sie sollen finanziell so stehen, als hätte der Vertragspartner ordnungsgemäß erfüllt — nicht besser, nicht schlechter. Diese sogenannte Differenzhypothese (Vermögen mit gegenüber ohne Vertragsbruch) bestimmt die Höhe.

Wichtig zur Abgrenzung: Schadensersatz ist nicht dasselbe wie Rückzahlung des Kaufpreises (Rücktritt) oder Wandlung. Er kommt zusätzlich oder anstelle der eigentlichen Leistung — je nach Stufe (siehe nächster Abschnitt). Den Wortlaut von § 280 BGB finden Sie bei gesetze-im-internet.de.

Das BGB unterscheidet zwei Wege der Wiedergutmachung: Naturalrestitution (§ 249 I BGB) und Geldersatz (§ 249 II BGB). Naturalrestitution heißt: Der Schuldner stellt den ursprünglichen Zustand selbst wieder her — etwa repariert er den beschädigten Lack am Auto oder liefert die fehlerhafte Ware nach. Funktioniert das nicht oder genügt es nicht, kann der Gläubiger den dafür nötigen Geldbetrag verlangen (§ 249 II BGB) — bei Sachschäden in der Praxis der Regelfall. Wichtig: Bei Schadensersatz statt der Leistung (§ 281 BGB) wird ohnehin direkt in Geld abgerechnet — siehe Anspruchs-Stufen unten.

Die 4 Voraussetzungen (§ 280 BGB)

Für jeden Schadensersatzanspruch aus Vertrag müssen vier Punkte gleichzeitig vorliegen:

  1. Schuldverhältnis: Es existiert ein Vertrag (Kauf, Werk, Dienst, Miete, Darlehen, Reise) oder ein vorvertragliches Verhältnis nach § 311 II BGB.
  2. Pflichtverletzung: Eine Haupt- oder Nebenpflicht wurde verletzt — nicht erfüllt, schlecht erfüllt, zu spät erfüllt — oder es wurde gegen Schutzpflichten verstoßen.
  3. Vertretenmüssen: Der Vertragspartner handelte vorsätzlich oder fahrlässig (§ 276 BGB). Wichtig: Das Verschulden wird gesetzlich vermutet — der Schuldner muss sich entlasten, nicht Sie ihm Vorsatz nachweisen.
  4. Schaden: Es ist ein konkreter Vermögens-Nachteil entstanden, kausal verursacht durch die Pflichtverletzung.

Fehlt auch nur ein Punkt, scheitert die Forderung. In der Praxis ist Punkt 3 (Vertretenmüssen) der häufigste Hebel des Schuldners, sich freizuargumentieren — etwa mit Lieferketten-Krise oder höherer Gewalt.

Drei Anspruchs-Stufen: neben, statt, wegen Verzug

Schadensersatz aus Vertrag ist im BGB dreistufig geregelt — die Wahl der richtigen Stufe entscheidet über Erfolg oder Niederlage:

Faustregel: Wer ohne Fristsetzung „Schadensersatz statt Leistung" fordert, verliert. Die Frist nach § 281 BGB ist Pflicht.

Höhe berechnen — ein Praxis-Beispiel

Sie bestellen eine maßgefertigte Küche für 12.000 € mit Liefertermin 1. März. Der Hersteller liefert erst am 12. April — sechs Wochen zu spät. So sieht die Schadensaufstellung aus:

Der Schadensersatz richtet sich nach der Differenzhypothese: Vermögen ohne Pflichtverletzung minus Vermögen mit Pflichtverletzung. Hier: 2.560 €. Tipp: Rechnen Sie netto ohne Umsatzsteuer, wenn Sie als Unternehmen vorsteuerabzugsberechtigt sind — sonst brutto. Belege müssen den genauen Schadensposten und die Marktüblichkeit dokumentieren.

Entgangener Gewinn (§ 252 BGB): Auch verlorene Einnahmen zählen — etwa Mieteinnahmen oder ein vereinbarter Auftrag, den Sie deshalb absagen mussten. Beweisstandard: § 287 ZPO erlaubt der Richterin, den entgangenen Gewinn zu schätzen, wenn der genaue Beweis schwer ist. Praktisch heißt das: plausible Belege (Buchhaltung, Vergleichszahlen) reichen — keine sekundengenaue Aufstellung. Reine Lust- oder Ärger-Gefühle sind in der Regel kein ersatzfähiger Schaden; es muss ein Vermögensnachteil sein.

🧮 Schadensersatz-Anspruchs-Rechner

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📐 Wie wird gerechnet? (Formel anzeigen)
  1. Roher Schaden = Hauptschaden + Entgangener Gewinn + Anwaltskosten
  2. Verzugszinsen = Hauptschaden × (Basiszinssatz 3,62% + 5%) ÷ 365 × Verzug-Tage (§ 288 BGB Verbraucher)
  3. Subtotal = Roher Schaden + Verzugszinsen
  4. Mitverschulden-Anrechnung = Subtotal × (Quote ÷ 100) (§ 254 BGB)
  5. Empfohlene Forderung = Subtotal − Mitverschulden-Anrechnung

Quellen: §§ 280, 252, 254, 286-288 BGB · Basiszinssatz Bundesbank 2026.

Empfohlene Forderungssumme
3.535 €
Hauptschaden + entgangener Gewinn + Anwalt: 3.520 €
+ Verzugszinsen (5% + Basiszins, anteilig): +10 €
− Mitverschulden-Anrechnung: −0 €

Schätzwert. Konkrete Beträge bedürfen anwaltlicher Prüfung. Bei komplexen Fällen ist der Schaden nach Differenzhypothese individuell zu ermitteln.

Vor der Forderung den Vertrag prüfen? SignGuard zeigt in 60 Sek Indizien auf unwirksame Schadenspauschalen (§ 309 Nr. 5 BGB), versteckte Haftungsausschlüsse für grobe Fahrlässigkeit (§ 309 Nr. 7 BGB) und mehrdeutige Leistungspflichten — Hebel, die Ihre Verhandlungsposition stärken. Features ansehen · Preise ab 7,50 €/Monat (Pro-Jahr) →
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Schadensminderungspflicht (§ 254 BGB)

Auch wer im Recht ist, hat eine Pflicht: Sie müssen den Schaden klein halten, soweit zumutbar. Tun Sie es nicht, kürzt § 254 BGB Ihren Anspruch — manchmal um 50 % oder mehr. Praktisch heißt das:

Die Verbraucherzentrale erläutert die Schadensminderung an konkreten Konstellationen (Gewährleistung, Versandhandel, Reise).

Mustertext: Forderungsschreiben Schadensersatz

Der folgende Mustertext erfüllt die Pflichtangaben für ein außergerichtliches Forderungsschreiben — Platzhalter in eckigen Klammern entsprechend ersetzen:

[Ihr vollständiger Name]
[Straße + Hausnummer]
[PLZ Ort]

[Vertragspartner-Name]
[Anschrift]
[PLZ Ort]

[Datum des Schreibens]

Schadensersatzforderung wegen Vertragspflichtverletzung — Vertrag/Bestellung Nr. [XXX]

Sehr geehrte Damen und Herren,

am [Datum] haben wir den oben genannten Vertrag geschlossen. Sie haben Ihre Pflicht zur [Lieferung/Werkleistung/Dienstleistung] [nicht / verspätet / mangelhaft] erfüllt. Hierdurch ist mir folgender Schaden entstanden:

1. [Schadensposition 1]: [Betrag] €
2. [Schadensposition 2]: [Betrag] €
3. [Schadensposition 3]: [Betrag] €
Summe: [Gesamt] €

Ich fordere Sie hiermit auf, den genannten Betrag bis zum [Datum, in der Regel 14 Tage] auf folgendes Konto zu überweisen: [IBAN], [Kontoinhaber].

Nach fruchtlosem Fristablauf behalte ich mir gerichtliche Schritte ausdrücklich vor.

Mit freundlichen Grüßen

[Original-Unterschrift]
[Vor- und Nachname in Druckschrift]

Versand: Einwurf-Einschreiben mit Sendungsbeleg (4,40 €) — Standard-Beweis für Verbraucher. Eine Kopie zur eigenen Akte. Eine Behörden-orientierte Kurzdarstellung der Anspruchs-Voraussetzungen liefert das Verbraucherportal Bayern unter vis.bayern.de.

Verjährung und AGB-Fallen

Verjährung: Schadensersatzansprüche aus Vertrag verjähren regelmäßig in drei Jahren (§ 195 BGB). Fristbeginn: Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist UND Sie davon Kenntnis erlangt haben (§ 199 BGB). Praktisch: Schaden im Mai 2024 entdeckt → Verjährung Ende 2027. Für Bauleistungen gelten je nach Konstellation 5 Jahre, für versteckte Mängel teils länger.

AGB-Fallen: Klauseln, die Schadensersatz pauschalisieren („30 € je Mahnung"), sind nach § 309 Nr. 5 BGB unwirksam, wenn die Pauschale den nach gewöhnlichem Lauf zu erwartenden Schaden übersteigt oder dem Verbraucher kein Gegenbeweis offensteht. Pauschale Haftungsausschlüsse für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit verstoßen gegen § 309 Nr. 7 BGB — unabhängig von der Vertragsart. Mehr zu typischen unwirksamen Klauseln in unserem Detail-Artikel zu AGB-Klauseln. Wenn Sie zusätzlich kündigen wollen, finden Sie das passende Vorgehen im Kündigungsschreiben-Muster.

Was Sie konkret tun können